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Von Windows 10 zu Linux: Mein persönlicher Neuanfang
Mein Umstieg von Windows 10 auf Linux: Warum technische Probleme manchmal zu neuen Chancen werden und was Neuanfang, Lernen und Dranbleiben miteinander zu tun haben.
GESELLSCHAFT
Stefan Stuhlsatz
8/13/20264 min lesen


Manchmal suchen wir uns Veränderungen selbst aus. Und manchmal werden sie uns einfach vor die Füße gelegt.
Bei mir war es mein Computer.
Windows 10 hatte seinen Dienst bei mir mehr oder weniger quittiert. Nun hätte ich natürlich versuchen können, alles wieder so herzurichten, wie ich es gewohnt war. Doch ich entschied mich für einen anderen Weg:
Ich baute meinen Rechner auf Linux um.
Eine Entscheidung, die zunächst nach einer rein technischen Angelegenheit klingt. Doch ziemlich schnell merkte ich: Dieser Wechsel hat erstaunlich viel mit dem Leben selbst zu tun.
Denn ein Neuanfang bedeutet fast immer, Gewohntes loszulassen.
Wenn plötzlich nicht mehr alles so funktioniert wie gewohnt
Wer jahrelang mit Windows gearbeitet hat, entwickelt seine Routinen.
Man weiß, wo sich Programme befinden, welche Knöpfe man drücken muss und wie bestimmte Dinge funktionieren. Vieles geschieht irgendwann automatisch.
Und dann kommt Linux.
Plötzlich heißen Dinge anders. Programme werden anders installiert. Manche gewohnten Anwendungen gibt es nicht oder sie müssen ersetzt werden. Selbst scheinbar einfache Aufgaben können auf einmal eine kleine Herausforderung darstellen.
Da sitzt man vor dem Bildschirm und denkt:
„Das müsste doch eigentlich funktionieren!“
Tut es aber nicht.
Zumindest nicht so, wie man es erwartet hat.
Und genau an diesem Punkt wird aus einem technischen Problem eine interessante Erfahrung.
Aller Anfang ist schwer – nicht nur bei Linux
Wir Menschen lieben Gewohnheiten.
Gewohnheiten geben uns Sicherheit. Wir wissen, was uns erwartet und wie wir reagieren müssen.
Veränderungen dagegen verlangen etwas von uns.
Wir müssen wieder nachdenken.
Wir müssen ausprobieren.
Wir machen Fehler.
Und manchmal müssen wir sogar akzeptieren, dass wir etwas noch nicht können.
Das ist nicht immer angenehm.
Gerade wenn man viele Jahre Erfahrung mit Computern, Programmen oder anderen Dingen gesammelt hat, fühlt es sich merkwürdig an, plötzlich wieder Anfänger zu sein.
Doch genau darin steckt auch eine Chance.
Wer Anfänger sein darf, darf wieder lernen.
Nicht alles, was anders ist, ist schlechter
Beim Umstieg auf Linux habe ich schnell gemerkt, dass ich nicht versuchen sollte, aus Linux ein zweites Windows zu machen.
Linux funktioniert anders.
Und genau das ist der Punkt.
Manche Dinge empfinde ich inzwischen sogar als angenehm. Andere bringen mich noch immer zum Nachdenken – und gelegentlich vermutlich auch zum Fluchen.
Aber ich lerne.
Schritt für Schritt.
Und mit jedem gelösten Problem wächst das Verständnis.
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Lektionen, die wir aus solchen kleinen Alltagserfahrungen mitnehmen können:
Anders bedeutet nicht automatisch schlechter.
Manchmal müssen wir nur aufhören, das Neue ständig mit dem Alten zu vergleichen.
Veränderung braucht Geduld
Wir leben in einer Zeit, in der vieles sofort funktionieren soll.
Ein Klick – und das Ergebnis soll da sein.
Eine neue Software – und wir möchten sie sofort beherrschen.
Ein neues Projekt – und möglichst schnell sollen die ersten Erfolge sichtbar werden.
Doch Lernen funktioniert meistens anders.
Es braucht Zeit.
Es braucht Fehler.
Und manchmal braucht es mehrere Anläufe.
Das gilt für Linux genauso wie für viele andere Bereiche unseres Lebens.
Ob wir unsere Ernährung verändern, ein neues Projekt beginnen, uns beruflich neu orientieren oder versuchen, digital unabhängiger zu werden:
Der erste Schritt ist selten der bequemste.
Aber ohne diesen ersten Schritt verändert sich nichts.
Warum Aufgeben keine Option ist
Natürlich könnte ich jederzeit sagen:
„Das ist mir zu kompliziert. Ich gehe zurück.“
Aber dann würde ich auch die Erfahrung verpassen, etwas Neues zu lernen.
Deshalb lautet meine Devise:
Es geht weiter. Aufgeben ist keine Option.
Das bedeutet nicht, dass man sich verbissen durch jedes Problem kämpfen muss.
Im Gegenteil.
Manchmal muss man eine Pause machen.
Manchmal braucht man Hilfe.
Und manchmal stellt man fest, dass der eingeschlagene Weg korrigiert werden muss.
Dranbleiben bedeutet für mich deshalb nicht, stur immer dasselbe zu versuchen.
Dranbleiben bedeutet:
Das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und bereit zu sein, den Weg dorthin anzupassen.
Linux als kleines Stück digitale Freiheit
Mein Umstieg hat noch einen weiteren interessanten Aspekt.
Linux steht für mich auch ein Stück weit für Unabhängigkeit und Entscheidungsfreiheit.
Ich beschäftige mich wieder bewusster damit, was auf meinem Computer eigentlich passiert. Ich lerne mein System neu kennen und entscheide stärker selbst, welche Programme und Lösungen ich verwenden möchte.
Das passt zu einer Frage, die mich auch in anderen Lebensbereichen beschäftigt:
Wie viel Freiheit möchte ich in meinem Leben haben – und was bin ich bereit, dafür zu lernen oder zu verändern?
Freiheit entsteht nämlich nicht immer dadurch, dass alles einfacher wird.
Manchmal entsteht Freiheit dadurch, dass wir bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.
Für unsere Entscheidungen.
Für unsere Fehler.
Und auch für unseren eigenen Lernprozess.
Mit 60 oder darüber hinaus noch einmal Anfänger sein?
Warum eigentlich nicht?
Vielleicht ist genau das eine Haltung, die uns im zweiten Lebensabschnitt besonders guttut.
Wir müssen nicht irgendwann beschließen:
„Das kann ich nicht mehr.“
Oder:
„Dafür bin ich zu alt.“
Solange wir neugierig bleiben, können wir Neues entdecken.
Das muss kein neues Betriebssystem sein.
Es kann eine Sprache sein.
Eine Reise.
Ein digitales Projekt.
Eine neue Form der Spiritualität.
Oder einfach etwas, das wir schon lange ausprobieren wollten.
Wir müssen nicht alles beherrschen.
Aber wir dürfen anfangen.
Mein Zwischenfazit: Es geht weiter
Mein Linux-Abenteuer ist noch lange nicht beendet.
Es gibt Dinge, die funktionieren wunderbar.
Andere funktionieren anders, als ich es erwartet habe.
Und sicherlich wartet noch das eine oder andere Problem darauf, von mir gelöst zu werden.
Aber vielleicht ist genau das der Reiz daran.
Ich lerne.
Ich probiere aus.
Ich ärgere mich gelegentlich.
Ich freue mich, wenn etwas endlich funktioniert.
Und dann mache ich weiter.
Denn manchmal beginnt Veränderung mit einem Computer, der nicht mehr so will wie wir.
Und manchmal entdecken wir dabei etwas, das weit über Technik hinausgeht:
Wir können uns verändern. Wir können lernen. Und wir können auch dann noch neue Wege einschlagen, wenn der alte Weg eigentlich ganz bequem war.
Wie ist es bei dir?
Hast du schon einmal von Windows auf Linux gewechselt?
Oder gab es in deinem Leben eine ganz andere Situation, in der du noch einmal völlig neu anfangen musstest?
Schreib mir gerne von deinen Erfahrungen.
Denn eines habe ich durch meinen kleinen technischen Neuanfang wieder einmal gelernt:
Aller Anfang ist schwer. Aber Aufgeben ist keine Option.
Windows 10 hat aufgegeben – ich nicht: Warum mein Umstieg auf Linux mehr als ein Technikwechsel ist
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